Chronik
Feuerwehrverband Uri / Lobbyist in Sachen Rettung und Schutz
Was im Jahre 1906 begann, hat nach 100 Jahren noch seine Gültigkeit. Wollte man mit der Gründung eine Vereinheitlichung und eine Verbesserung des Löschwesens erreichen, hat man heute nebst den Tagesgeschäften als Verband auch die Aufgabe der Information, Aufklärung und Mitarbeit in der Strukturierung als Erstinterventions-Element wahrzunehmen.
Heute ist der Verband ein Dienstleister, vor allem in Bezug zur Ausbildung und versteht sich als Bindeglied der Gemeinde- und Betriebsfeuerwehren zu den kantonalen Instanzen und zum schweizerischen Feuerwehrverband.
100 Jahre im Dienste der Feuerwehren
Was früher eine Sache der einzelnen Einwohnergemeinde war, ist heute, trotz Gemeindeautonomie immer mehr in gesamtheitlicher Betrachtungsweise zu beachten. Der Feuerwehrverband ist je länger je mehr Ansprechpartner, und nebst dem Feuerwehrinspektorat auch Vordenker und zum Teil auch Lenker des Feuerwehrwesens. Die Organe des Verbandes wollen sich am Puls der Zeit orientieren. War es früher eher der Kampf um neuzeitliche Ausrüstungen, sind heute mehr strukturelle Fragen zu behandeln. Die Vereinigung von allen 34 Feuerwehren, nämlich: 24 Gemeindefeuerwehren, 9 Betriebsfeuerwehren und die Chemiewehr Uri, mit insgesamt 1300 Feuerwehrleuten, zeigt im Jubiläumsjahr das Bedürfnis um ein gesamtheitliches auftreten der Ersteinsatz-Elemente. Früher standen eher Schwierigkeiten in der Materialsituation im Vordergrund, heute ist es , bedingt durch die Abwanderung und die Arbeitsplatzsituation, das Problem der Verfügbarkeit der Einsatzkräfte. Aufgaben, wie schwierige, komplexe Einsätze auf den Verkehrswegen (Bahn und Strasse) oder auch im Umweltbereich müssen heute gelöst werden. Dienstleistungen für die Bürger, sowohl in den Bereichen Technik als auch Unterstützung, sind neu hinzugekommen. Feuer- respektive Brandbekämpfungen sind eher zweitrangig was die Einsatzzahlen betrifft. Einsätze zu Gunsten der Umwelt und im Elementarbereich sind umfangreicher geworden. Die Ersteinsatzführung geschieht auch hier durch die Feuerwehren. Der Name Feuerwehr ist und bleibt auch immer noch bestehen, wenngleich Begriffe wie Schadenwehren oder Wehrdienste in der neuen Zeit so eher angebracht sind.
Aufgaben des Verbandes
Der Feuerwehrverband Uri hat das Ausbildungsmandat der Urner Regierung inne. Mit dem Ausbildungschef und der Ausbildungskommission sowie den amtierenden Instruktoren kann heute ein sehr gutes Ausbildungsniveau erreicht werden. Die Unterstützung durch das Feuerwehrinspektorat ist sehr gross. Vertretungen in Kommissionen und Arbeitsgruppen sind heute Standard und werden auch wahr genommen.
Der Einfluss der Front und der Führungsleute der Urner Feuerwehren hat immer auch die Zusammensetzung des Vorstandes beeinflusst. Dies ist auch wichtig, damit die Vertretung der Einsatzkräfte entsprechend wahrgenommen wird. Die Zusammenarbeit unter den fachtechnischen Instanzen, den politischen Behörden und den Wehren ist auch heute noch sehr wichtig. Die Ereignisse haben immer wieder gezeigt dass die Kooperation angestrebt und auch vollzogen wird. Der Feuerwehrverband sucht daher das Miteinander mit allen Elementen und Verantwortlichen sei dies auf der politischen Seite als auch in den fachtechnischen Bereichen. Die «Urgrosskinder» der Gründer des Verbandes wollen und werden die Arbeit weiterführen.
Die Gründung vor Hundert Jahren, eine «Steinige Angelegenheit»
Gott zur Ehr dem Nächsten zur Wehr, dem Feuer zum Trutz den Menschen zum Schutz
Der Nachtwächter von Altdorf, der bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein dem Urner Hauptort das Gepräge gab, rief bei jedem Wetter ins nächtliche Dorf mit lauter Stimme und vergass nie, dem Ruf eine Warnung vor dem Feuer beizufügen:
Lüägit zu Fyr und Liächt, dass ych Gott und Maria wohl bhiät!
Dieser Spruch ist sinnbildlich für das Element Feuer, das dem Menschen nicht nur Nutzen zu bringen vermag sondern bei unkontrolliertem Ausbreiten auch eine grosse Bedrohung für die Menschen, Tiere und das Hab und Gut darstellt. So waren grosse Feuersbrünste im Föhntal Uri immer wieder eine schlimme Heimsuchung. Die drei Dorfbrände von Altdorf (1400, 1693 und 1799) geben dem Dorfwappen des Hauptortes ein Zeichen in Form der 3 roten Balken. Aber auch die Grossbrände von Hospenthal 1699, von Andermatt 1766 und von Fernigen im Meiental 1778 haben bleibende Zeichen hinterlassen. 1636 werden Verordnungen durch den Landrat erlassen und 1818 das Feuern bei Föhn unter Strafe verboten. Aufgrund dieser immer wiederkehrenden Bedrohung werden sogenannte Föhnenwachen geschaffen, die bis weit in das 20. Jahrhundert hinein ein nicht unwesentlicher Bestandteil zum Schutze der Urnerbevölkerung waren.
Föhnwächter (H. Danioth)
Im 19. Jahrhundert war in den meisten Gemeinden die Feuerwehr obligatorisch. Trotz guter Führung liessen vielerorts Dienstauffassung und Dienstbetrieb zu wünschen übrig. Viele versäumten die Übungen und machten sich somit straffällig. Da nützten auch die zur damaligen Zeit hohen Geldstrafen wenig. Neben Idealisten, die den Feuerwehrdienst als notwendige Bürgerpflicht angesehen haben, gab es auch solche, die dem Gebot der Nächstenhilfe wenig nachfragten.
Die Entstehung der einzelnen Feuerwehrkorps ging aus diesen Milizformationen hervor und erfolgte lang vor der Gründung des Feuerwehrverbandes. Die älteste Feuerwehr in Uri, Erstfeld, wurde 1869 gegründet, 1876 Altdorf, 1889 Silenen und 1897 Andermatt. Flüelen und Gurtnellen gründeten ihre Feuerwehren 1902 resp.1903. Diese Korps, wie auch alle nachfolgenden Gemeinde Feuerwehren gehen aus der Initiative von verantwortungsvollen Männern hervor. Früher war es vielfach so, dass im besonderen Vereine, und dies vor allem die Turnvereine, die Führung im Vereinswesen einer Gemeinde inne hatten. Durch die Gründung der einzelnen Feuerwehren, grösstenteils ebenfalls auch als Vereine, kam mit der Wahl eines Kommandenten durch den Gemeinderat oder die Gemeindeversammlung,auch die politische Seite zum Zuge. Dadurch erfolgte aus dem eher losen, kommunal orientierten Gefüge, der erste Schritt zur wirkungsvollen und schlagkräftigen Hilfs- und Löschorganisation im Kanton Uri.

Freiwillige Feuerwehr Flüelen 1927
Freiwilligkeit anstelle von PflichtIm Frühling 1901 brechen in mehreren Gemeinden bei heftigem Föhnsturm Kaminbrände aus. Die Gemeinderäte werden im Amtsblatt vom Regierungsrat ausdrücklich ermahnt, «mit aller Strenge den bestehenden Vorschriften über die Feuerpolizei Nachachtung zu verschaffen und speziell auch die Feuerschau fleissig und genau vorzunehmen». Um die Jahrhundertwende verstärken die Gemeinden ihre Aktivitäten für eine taugliche Feuerwehr. An Stelle des Obligatoriums treten die Freiwilligen Feuerwehren, «die besten Pioniere des Feuerwehrwesens» wie etwa 1905 in Göschenen. Der Bestand an Feuerlösch-Gerätschaften wird aufgestockt und Wasserversorgungen mit einem Hydrantennetz angelegt. Der Rechenschaftsbericht 1902/1903 der Urner Regierung bemerkt, das die Gemeinden Spiringen und Seedorf «noch einzig die zweifelhafte Ehre besitzen, im Feuerlöschwesen gar nichts zu leisten und nicht einmal die aller notwendigen Feuerlösch- Gerätschaften angeschafft zu haben». Die Gemeinden erhalten an das Feuerlöschwesen jährlich Beiträge der Feuerversicherungen.

Offizierskurs 1919 in Erstfeld
Entstehung und Gründung des Kantonalen Feuerwehrverbandes Uri Schon um die Jahrhundertwende ziehen Vertreter der Urner Feuerwehren in die Nachbarkantone, um sich an sogenannten Gruppenübungen, Kursen und Tagungen das nötige Rüstzeug für den Einsatz zum Schutze des Nächsten zu holen. Damals, vor der Gründung des jetzigen Verbandes, waren die Feuerwehren der Urkantone im Zentralschweizerischen Feuerwehrverband zusammengeschlossen. Die damit verbundenen Umstände zur Teilnahme an den üblichen Veranstaltungen dieser Organisation, haben jedoch den Urnern nie recht zugesagt, und als es dann einmal, wie die Chronik vermittelt, «Krach» mit den Luzernern gab, kehrte man mit dem Kämpferwillen nach Hause zurück, selbst einen Verband zu gründen. An der Jahresversammlung der freiwilligen Feuerwehr Altdorf, vom Agatha Tag den 5. Februar 1906, stellten demzufolge die Herren Kommandant Josef Furger und Adjutant Bucher den Antrag auf Gründung eines Urnerischen Feuerwehrverbandes. Dies in der Meinung, dass den Urner Feuerwehren eine solche Vereinigung mehr zu gute käme als der Urschweizerische Verband. Schon am 1. April des gleichen Jahres sind an einer Versammlung in Altdorf ein provisorischer Vorstand gewählt worden, dem der Statutenentwurf übertragen wurde. Als Präsident zeichnete Kommandant Josef Furger, Altdorf, welcher dann auch an der konstituierenden Delegiertenversammlung bestätigt worden ist. Der Verband bestand damals aus den Sektionen: Altdorf, Andermatt, Erstfeld, Flüelen, Göschenen und WassenDie Vereinigung will das Feuerwehrwesen sowohl im allgemein als auch im speziellen fördern. Der Verband setzte sich ausdrücklich zum Ziel, bei ausgebrochenen Schadenfeuern ein einheitliches Zusammenwirken, der auf dem Brandplatz erschienen Feuerwehren zu ermöglichen.
Unzulängliche Gerätschaften Die Feuerwehrausrüstungen sind um die Jahrhundertwende im Vergleich zu heute bescheiden und in feuertechnischer Hinsicht äusserst mangelhaft. Die am besten ausgerüsteten Feuerwehren verfügten über eine Feuerspritze mit spärlichem Zubehör. Hanfschläuche von gut 100 Metern Länge, einzelne Wendrohre, knapp 2 Dutzend «Feuerkübel» aus Hanf, wenige Steiger-Einhakleitern und Feuerhaken. Dazu kommt noch die «Buttenspritze». Sie ist ein Einmannpumpengerät und besteht aus 20 Metern Hanfschlauch und einem Wendrohr.
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| Buttenspritze von Silenen |
Handpumpenspritze von Erstfeld |

Spritze von Göschenen
Bis zur Errichtung von Hydranten musste das Löschwasser mühsam mit den Hanfkübeln herbei geschleppt werden.Mit dem ersten Weltkrieg 1914–1918 wächst die Erkenntnis, dass die Feuerwehren Brände nur mit zweckdienlichen Geräten wirksam bekämpfen können. Zu Beginn der Zwanzigerjahre werden Hydrantenwagen und Schlauchkisten, sowie ausreichendes Schlauchmaterial angeschafft. Verbesserte Strahlrohre, Auszugleitern und schliesslich Strebenleitern sind die zusätzlich notwendigen Geräte. Die Geldmittel für die erforderlichen Verbesserungen fliessen aber nur spärlich. In Altdorf wird die alte Spritze, die für den Betrieb eine 12–16köpfige Mannschaft erfordert, durch eine Motorspritze ersetzt.
Gut Ding will Weile habenSo vollzog sich nach und nach die Entwicklung des Feuerwehrverbandes. Bereits aber die Kriegswirren des ersten Weltkrieges brachte dem jungen Verbandschiffchen den ersten grossen Wellengang. Nur allzu zaghaft erfolgten die Beitritte der übrigen Sektionen. Während den vergangenen 100 Jahren ist es jedoch einer zielbewussten und geschickten Verbandsleitung gelungen, sämtliche Feuerwehr- und Schadenwehr-Organisationen der Gemeinden und Betriebe sowie die Kantonalen Organisationen in den Urner Feuerwehrverband einzubinden. Der Erfolg und das Wachstum, sowie die lange Lebensdauer des Verbandes zeigen auf, dass sich immer wieder, und allen Schwierigkeiten zum Trotz, Männer und auch Frauen fanden und finden, welche die persönlichen den allgemeinen Interessen unterordneten und auch weiterhin unterordnen werden.
Vom Feuerhorn zur Alarmglocke bis zur SireneVerbessert wird auch die Alarmorganisation. In Altdorf ertönt bei Feuer die Glocke im Türmli. Von 1902 an amtet zusätzlich ein Alarmtrompeter.

Feuerwehr Bürglen 1920
In Bürglen ist es ein Trompeter, der auch im Musikverein dieses Instrument bläst.
1904 erhält der Kommandant von Altdorf ein Telefon. 1905 wird Antrag an den Gemeinderat gestellt, einen elektrischen Läuteapperat am Türmliglöcklein einzurichten, der vom Telefonbüro aus bedient werden kann. Ab 1931 erfolgt der Feuerwehralarm durch die auf dem Postgebäude montierte Sirene. Der Alarmtrompeter hat somit seine Schuldigkeit getan.Die jungen Männer, die den Feuerwehrvereinen beitreten, sind wahre Idealisten. Denn die Vereine haben, wie beispielsweise in Bürglen, mit grossen Widerständen, finanziellen Sorgen und Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Gründungsbeitrag der Gemeinde Bürglen, in der Höhe von Fr. 1'800.– deckte 1914 nicht einmal die Uniformkosten. Der jährliche Mitglieder Beitrag wird bei der Gründung auf 2 Franken festgesetzt Und erst 1925, nach einem geglückten Schlichtungsversuch mit dem Feuerwehrverband, konnte dann der erste Sold ausbezahlt werden. Dieser betrug pro Mann und Übung Fr.1.50 Heute erhält ein Feuerwehrangehöriger pro Übung im Schnitt Fr.7.– bis Fr.10.–.
Zukunft der UrnerfeuerwehrverbandesBei der Gründung des Verbandes 1906 waren die technischen Mittel sehr bescheiden. So waren Löscheimer und Buttenspritze der Standard. Heute sind die Mittel der Technik effizienter aber auch komplexer. Waren früher für sämtliche Aufgaben Kommandos oder auch Reglemente vorhanden, muss der Feuerwehrmann von heute vielseitiger und spontaner entscheiden. Der Führungsstil hat sich geändert, die Ausrüstung ist um ein vielfaches besser. Die Aufgabe jedoch bleibt, auch wenn immer mehr solche hinzukommen. Die Feuerwehren werden und müssen sich den geänderten Bedingungen anpassen, sie werden weiter agieren und nicht stehen bleiben. Der UrnerFeuerwehrverband mit seinen 34 Sektionen und rund 1'580 Feuerwehrleuten, davon 44 Frauen, wird sich den Anforderungen stellen. Die Aufgaben nehmen immer mehr zu. Sei dies im Interventionsbereich des Verkehrs, (Bau der Neat), sei es in der Verfügbarkeit der Feuerwehrleute, oder sei es im Kostenmanagement der Gemeinden und Betriebe. Die Feuerwehren müssen alles können, sie müssen jederzeit bereit sein, einen effektiven und schnellen sowie professionellen Ersteinsatz zu leisten Der Druck auf diese Organisationen wird dadurch immer stärker steigen. Die Ereignisse im Jahr 2005 haben klar aufgezeigt, dass jede Ortsgemeinschaft eine Feuerwehr braucht. Die Zusammenlegungsgelüste einiger Kreise sind im Moment verstummt. Die Feuerwehren müssen und werden sich ständig hinterfragen und sie werden immer wieder das «Gras wachsen hören» Sind wir doch dankbar, dass es immer noch Bürgerinnen und Bürger gibt, die die Unbill des Feuerwehrdienstes, mit seinen schönen aber auch schwierigen Seiten, auf sich nehmen.
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